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Thomas Scheffer: Die Grundlagen von Kants Naturbegriff in der 'Kritik der reinen Vernunft'

Eine der größten Stützen für die Kantische Philosophie ist die gewiss wahre Betrachtung, dass wir ja auch so gut etwas sind, als die Gegenstände außer uns. Wenn also etwas auf uns wirkt, so hängt die Wirkung nicht allein von dem wirkenden Dinge, sondern auch von dem ab, auf welches gewirkt wird. Beide sind, wie bei dem Stoß, tätig und leidend zugleich; denn es ist unmöglich, dass ein Wesen die Einwirkungen eines andern empfangen kann, ohne dass die Hauptwirkung gemischt erscheine. Ich sollte denken, eine bloße tabula rasa ist in dem Sinne unmöglich, denn durch jede Einwirkung wird das einwirkende Ding modifiziert, und das, was ihm abgeht, geht dem andern zu, und umgekehrt. [Lichtenberg, SB 2, K 74]

2. Beschreibungsabhängigkeit

Die prägende Bedeutung der Kategorien für das Naturgeschehen wird von Kant am Ende der transzendentalen Deduktion damit erläutert, dass "Gesetze" nicht "in den Erscheinungen, sondern nur relativ auf das Subjekt" existieren",dem die Erscheinungen inhärieren" (B, 164). Diese Erläuterung kann modern ausgedrückt zunächst dahingehend verstanden werden, dass Gegenstände das, was sie sind, nur unter einer Beschreibung sind. Welche Eigenschaften an Gegenständen oder Beziehungen zwischen Gegenständen sichtbar werden, hängt demnach davon ab, unter welchen Gesichtspunkten und mit Hilfe welcher Begriffe man das gegebene Beobachtungsmaterial theoretisch verarbeitet, und so haben abstrakte begriffliche Gegenstände in methodologischem Sinne eine prägende Bedeutung für die Gegenstände und die Beziehungen zwischen ihnen.

Diese Erklärung reicht jedoch noch nicht hin, den von Kant behaupteten vorschreibenden Charakter der Kategorien zu erklären, denn es könnte die Möglichkeit einer Wahl zwischen verschiedenen Begriffsrahmen bestehen, und diese Wahl könnte wiederum als ein Bestandteil des Naturgeschehens selbst durch vorgängige natürliche Ursachen bestimmt sein. Es scheint durchaus möglich, die Abhängigkeit der Ontologie und des gesamten Weltbildes eines Menschen von begrifflichen und sonstigen theoretischen lnformationsverarbeitungsmustern zu behaupten und dennoch eine relativistische und naturalistische Erkenntnistheorie zu vertreten.

 
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