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Thomas Scheffer: Die Grundlagen von Kants Naturbegriff in der 'Kritik der reinen Vernunft'

Die Welt ist nicht da,
um von uns erkannt zu werden,
sondern uns in ihr zu bilden.
Das ist eine Kantische Idee.
[Lichtenberg, SB 1, J 898]

1. Die Grundlagen

Der Begriff der Natur wird von Kant in der ‚Kritik der reinen Vernunft' am Ende der 'Transzendentalen Deduktion' systematisch eingeführt. Er bestimmt ihn als den "Inbegriff aller Erscheinungen", und stellt die These auf, die Kategorien seien "Begriffe, welche den Erscheinungen, mithin der Natur, als dem Inbegriffe aller Erscheinungen (natura materialiter spectata), Gesetze a priori vorschreiben" (B, 163) und zwar Gesetze",auf denen eine Natur überhaupt, als Gesetzmäßigkeit der Erscheinungen in Raum und Zeit, beruht" (B, 165).

Diese These muss in zweierlei Hinsicht auf Unverständnis oder wenigstens Skepsis stoßen: Zum einen ist nicht ohne weiteres klar, was es heißen soll, dass Begriffe, also abstrakte Gegenstände, der Natur, also dem beobachtbaren realen Geschehen, Vorschriften machen. Die objektive Gültigkeit, ja vielleicht sogar der Sinngehalt von Begriffen scheinen vielmehr umgekehrt von der Natur und unserer Stellung in ihr abzuhängen. Zum anderen muss an dieser These überraschen, dass schon die Kategorien, von denen Kant zu Beginn der transzendentalen Deduktion sagt, sie seien "Begriffe von einem Gegenstande überhaupt, dadurch dessen Anschauung in Ansehung einer der logischen Funktionen zu Urteilen als bestimmt angesehen wird" (B, 128), hinreichen sollen, die "Gesetze, auf denen eine Natur überhaupt ... beruht" (B, 165), zu bestimmen. Nahe liegend erscheint vielmehr, dass die Bedingungen der Erkenntnis gesetzmäßiger Zusammenhänge des Auftretens von Gegenständen verschieden von denen der Erkenntnis einzelner Gegenstände sind oder jedenfalls über die letzteren hinausgehen.

 
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